Silvester und der legale Sprengstoff

Und schon wieder ist ein Jahr vergangen, in diesem Fall das Jahr 2015. Und wie jedes Jahr wird das mit Silvester gefeiert. Früher war Silvester für mich immer ein Highlight. Behütet von der Familie mit meinen bunten Knallern oder später auch mit meinen eigenen Böllern, welche aber immer überwacht wurden. Es war damals natürlich nicht weniger gefährlich als heute aber wahrgenommen habe ich Silvester immer als eine tolle Tradition und das knallen war immer toll – aber auch nie weiter weg als die Straße vor dem Elternhaus.

Silvester in Sydney

In Australien habe ich Silvester das erste Mal anders erlebt. Natürlich habe ich bis dahin nicht jedes Jahr bei meinen Eltern gefeiert aber immer zusammen mit Freunden in privaten Locations – der Alkohol wurde mehr und die Böller immer weniger. Silvester war aber ganz grundsätzlich anders. Der wichtigste Punkt ist wohl die Tatsache, dass dort keine Knallkörper erlaubt sind. Ich weiß nicht, ob sie es jemals waren aber auch von illegalem Zeugs war dort nichts zu spüren. Es gibt das eine riesige, berühmte Feuerwerk zwischen der Harbour Bridge und der Opera. Dort versammelt sich ganz Sidney, um sich das Spektakel zu gehen. Vorher hieß es, dass man schon Vormittags auf Platzsuche gehen sollte, da bei einer bestimmten Zahl der Bereich gesperrt wird. Ist natürlich auf der einen Seite nicht so praktisch, auf der anderen Seite wird man sich nach der Nacht auf keinen Fall über eine drückende Masse beschweren können. Aber ich bin erst um 22 Uhr los, da man den Tag in der ansonsten sehr leeren Stadt, so richtig genießen konnte. Da ich erst gegen 23 Uhr an der Brücke ankam hatte ich nicht die größte Auswahl aber tatsächlich war es selbst dann immer noch nicht überfüllt. Ich weiß noch, dass ich vorher auf dem rasen liegend fast eingeschlafen war.Nach einem tollen Feuerwerk blieb es auch gesittet und man konnte ohne nervende Massen oder Böller den weiteren Abend angehen.  Ein gänzlich anderes Silvester als in Deutschland.

In diesem Jahr wollte ich dann auch wieder was anderes als das private vor dem Haus gestehe. Da ich über die Feiertage eh in Hamburg war wollte ich dann das Feuerwerk bei den Landungsbrücken bestaunen. So viele haben schon davon erzählt, mehr negativ als positiv aber ich wollte es sehen. Vielleicht war mir auch noch das großstädtische Silvester von Sydney zu sehr im Kopf geblieben. So machten wir uns um 23 Uhr auf den Weg zu den Landungsbrücken. Aufgrund von meiner Orientierung haben wir aber leider eine Bahn zu spät erwischt und durften das neue Jahr in der U-Bahn begrüßen. Aber halb so wild. Das aufregende kam erst danach 00:02 auf St.Pauli bis einschließlich Landungsbrücken. Krieg, einfach nur Krieg. Zumindest wüsste ich von so manchen Eckdaten nicht, wo Situationstechnisch der Unterschied sein würde. Krankenwagen, Feuerwehrwagen, Polizei – und alle in Alarm und rumfahrend. Dazu Tausende Menschen und abertausende Knallkörper. Würde jeder eine Wunderkerze halten und sich freuen wäre es bei der Masse sicher ein Bild für die Götter aber wenn jeder seine eigenen Böller und Raketen zündet herrscht das pure Chaos. So habe ich es mir nicht vorgestellt. Sah man nach oben sah man wunderschöne Feuerwerke über der Elbe und den verschiedenen Hotels aber leider musste man sich darauf konzentrieren keine Böller abzubekommen oder anderes (Ein Mädel warf mit einer Glasflasche grundlos rum und sie zersprang direkt vor mir). Das war alles ein wenig Schade.

Da stellt sich mir die Frage, ob man das überhaupt braucht, wenn es doch in anderen Ländern so gut klappt ohne. Ich glaube nicht, dass sich jemand in Australien danach sehnt und jedes Jahr aufs neue darauf wartet, Sprengkörper zu zünden. Es würde weniger verletzte geben, weniger Umweltverschmutzung (Es sieht ja jedes Jahr aufs neue furchtbar aus – danke an die ganzen Aufräumenden) und es könnte trotzdem ein tolles Feuerwerk oder sogar eine Show entstehen. Ich weiß nicht, ob das Knallen an sich (nicht das Leuchtfeuer) irgendwas wertvolles mit sich bringt.

Außerdem habe ich jemanden sagen hören, was denn nun die ganzen Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten von Deutschland denken, wenn so viele auf die Straßen gehen und Freude daran haben, kleine Sprengkörper zu zünden. Dies fand ich eine berechtigte Frage!

 

Aber nun habe ich es mal gesehen und würde mein nächstes Silvester natürlich gerne wieder in einer Großstadt feiern, am liebsten in Sydney, oder in einem böllerfreiem Deutschland!

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Flüchtlingsbewegung: Die Welt rückt ein Stück näher zusammen.

 

Im Moment sind die Medien und Gespräche voll mit der Flüchtlingsthematik. Wenn ich so manche Kommentare unter Facebookposts lese vergeht mir so einiges. Ich lese da einen Hass gegen Menschen, wo ich nicht gedacht hätte, dass die deutschen noch so sind. Mich hat es schockiert und vor allem schäme ich mir dafür. Es sind Menschen, denen schlimmes widerfahren ist. Solch schlimme Dinge können wir uns sicher gar nicht wirklich bewusst machen, weil es für uns sehr weit weg ist. Und genau deswegen sollten wir helfen, zusammenhalten und offen sein. Ist es nicht schön, dass in Zeiten der Not die Menschheit zusammenrückt? In Filmen würde man sowas als toll und happy ending bezeichnen, in Deutschland sieht man es anscheinend mehr als worst case.

Froh bin ich da aber, dass abseits von Facebook und anderen Seiten die Gespräche in meinem Umfeld genau entgegen dem gehen, was dort so gepöbelt wird. Ich erfahre die Meinungen meines Umfeld eher als tolerant, offen und verständnisvoll. Ob es nun daran liegt, dass auf Facebook immer nur bestimmte Menschen halbwegs anonym ihre Meinung preisgeben oder sich die Leserschaft sehr von meinem Umfeld unterscheidet, kann ich nicht sagen.

Ein ehemaliger Kommilitone von mir erzählte mir, dass er als Flugbegleiter Flüchtlinge nach Deutschland eskortiert. Er berichtete mir von diesen Leben, die dort völlig am Ende, sei es körperlich und/oder seelisch, in dem Sitz hockten. Er wünscht sich, genauso wie ich, dass diese Menschen nach der Landung ein besseres Leben beginnen können, Stück für stück. Was meiner Meinung nach den Flüchtlingsgegnern fehlt sind die Background-Informationen. Was passiert in dem Land, aus dem die Menschen fliehen, was bedeutet es für Deutschland, wie leben diese Menschen nun hier und wie kann man ihnen helfen. Es ist nicht immer alles schlecht wenn jemand nach Deutschland kommt. Sei es nun Einwanderer oder Flüchtlinge. Aber es liegt mit an uns, was daraus gemacht wird.

  • Man verurteilt es, weil das den Staat zu viel Geld kostet – aber wieso fördert man diese Menschen nicht später, um die Wirtschaft hochzukurbeln.
  • Es gibt immer wieder das Thema der Ghettobildung – wieso gehen wir dann nicht mit offenen Armen auf diese Menschen zu und erlauben ihnen, sich frei zu bewegen?
  • Kulturelle Differenzen – ganz ehrlich, sei offenen gegenüber anderen Kulturen und trage dazu bei, deine eigenen zu vermitteln. Das geschieht seit Jahrhunderten so und täglich auch heute. Mit bösen Facebookposts geschieht das aber nicht.

Ich hoffe mit diesem Artikel den ein oder anderen zum nachdenken anregen zu können. Ich selbst habe mir vor allem seit der Aktionen von Till Schweiger sehr viel mehr damit auseinander gesetzt und möchte in Zukunft auch versuchen, aktiv Flüchtlingen zu helfen.


Über Feedback, Meinungen, Vorschläge wäre ich sehr offen und erfreut =)

 

Alex